Studienreise – Hostýn

22.6.2021 Studienreise – Hostýn

Das ursprünglich genehmigte Projekt Velké Meziříčí (Wandteppiche) und dem Wallfahrtsort Hostýn mussten wir etwas umstellen, da sie in Velké Meziříčí kleine Räume in der Herstellung von Wandteppichen haben und während der Beschränkung wegen Covid eine Exkursion von einer großen Gruppe nicht möglich war. Aber es gibt viele Spuren deutscher Vorfahren in Mähren, so besuchten wir die Burg in Bystřice pod Hostýnem und den Hügel St. Hostýn. Hier gab es keine Führungen.

Auf der Burg in Bystřice pod Hostýnem sind im Museum Keramik, historische Bugholzmöbel und eine Ausstellung napoleonischer Soldaten zu sehen. Die Ausstellung zum Napoleonischen Krieg umfasst das Leben in der Armee, Kleidung und Waffen. Man sieht den Arzt und seine Grundausstattung: Verbandsmaterial, eine Gliedmaßen-Amputationssäge, ein gewöhnliches Waschbecken zum Waschen von Instrumenten und Wunden während der Operation, Essig ist das Hauptdesinfektionsmittel der Zeit, ein Knebel, damit der Amputierte nicht so laut schreien kann. Sie haben zuerst viel getrunken und wurden dann operiert, ein Betäubungsmittel gab es zu dieser Zeit nicht. Es muss ein unvorstellbarer Schmerz gewesen sein. Es ist ein Wunder, dass die verwundeten Soldaten diese Operationen überlebt haben. Wir sahen ihre Uniformen, Stiefel, Grundausrüstung, aber auch Holzschuhe, die sogar im Kampf getragen wurden. Die Ärzte hatten eine genaue Aufzeichnung der behandelten Patienten, eine Beschreibung ihrer Behandlung und den Verlauf der Behandlung. Die Toten wurden in Massengräbern auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt.

Danach gingen wir zum nächsten Teil des Schlosses, einer Besichtigung der örtlichen Töpferei. Hier wurde 100 Jahre lang eine Steingutfabrik betrieben, nach 1896 wurde das Material durch Porzellan und emailliertes Blech ersetzt.

Berühmt ist die Stadt Bystřice nicht nur für die Adelsfamilie Rottalar, die auf dem Schloss bedeutende Umbauten durchführten, sondern vor allem für Michael Thonet aus der Stadt Boppard unweit von Koblenz in Westdeutschland. Er machte eine Ausbildung zum Tischler und experimentierte mit dem Biegen von Holz, das er bei der Herstellung von Möbeln verwendete. 1841 präsentierte er erstmals gebogene Möbel der Öffentlichkeit auf einer Industrieausstellung in Koblenz, die auch der österreichische Bundeskanzler Metternich besuchte. Auf seine Empfehlung hin zog er nach Wien und gründete dort 1842 sein eigenes Unternehmen. Das Interesse an Möbeln war groß, so gründete er eine neue Fabrik in Koryčany und erweiterte bald um ein Werk in Bystřice p.Hostýnem und in e Vsetín. Seine Möbel wurden mehrfach ausgezeichnet (Goldenes Kreuz, Franz-Josef-Ritterschaft). Michael Thonet starb vor 150 Jahren 03.03.1871, aber seine Möbel werden noch heute hergestellt. Am Ende der Tour haben wir im Film gesehen, wie das das Holz heute gebogen wird. Nach einer anspruchsvollen Tour fuhren wir mit dem Bus nach St. Hostýn, auf eine Höhe von 736 Metern.

Es folgten Erfrischungen im Wallfahrtshaus und eine kostenlose Führung durch die Basilika Mariä Himmelfahrt. Sie ist eine der bedeutendsten Marienwallfahrtskirchen in Mähren. Nach einer Zeit, in der sie im Zuge der josephinischen Reform verfiel, wurde sie 1995 im Rahmen des Programms zur Erhaltung des archäologischen Erbes restauriert.

Das Wetter war gut und so konnten wir in Ruhe den heiligen Berg begehen und den Kreuzweg von Dušan Jurkovič aus dem Jahr 1903 im Stil der italienischen Volksarchitektur besichtigen. Wir hatten Glück, ein Aussichtsturm mit schöner Aussicht auf die Umgebung wurde eröffnet. Der alte Kreuzweg ist auch sehr schön, die ganze Anlage ist sehr gepflegt.

An der Studienreise nahmen insgesamt 33 Personen teil. Unsere Mitglieder konnten nach langer Trennung in Ruhe und an einem schönen Wallfahrtsort beten, auf den Bänken der Basilika miteinander kommunizieren, die frische Luft einatmen und den Kreuzweg umrunden. Mental hat es sie sehr ermutigt und bereichert.

Vor allem aber erinnerten sie sich noch einmal an die deutschen Ahnenspuren hier in Mähren, die hier wirkten und viel Schönes für uns alle geschaffen haben.

Fotos

Slížová Hana, Havířov

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